Johanna Chemnitz und Sonja Pregrad/ Festivaleröffnung

Johanna Chemnitz, Foto: Anne Sophie Malmberg
Sonja Pregrad, Foto: privat

Wie würdet ihr euer Stück "DISHEVELLED" beschreiben?

Johanna: In "DISHEVELLED" geben wir uns einer Welt jenseits der Logik hin und widmen uns dem Unbestimmbaren. Das Stück setzt sich mit Realität, Identität und Auflösung auseinander. Wir haben uns innerhalb des Prozesses auch sehr stark mit dem Scheitern befasst, mit verschiedenen Möglichkeiten und Formen des Scheiterns, dem ruhigen, stillen Scheitern, dem heftigen, lärmenden, aufgewühlten Scheitern und vor allem dem Mut und der Lust zum Scheitern.

Sonja: I would also describe it as dealing with the physical texture, which actually carries an emotional confrontation for each one of us. Through shaking, the structure falls off and maybe leaves a different shape of what is identity, be it personal, gender, social.

Was waren die Einflüsse und Motivation für das Stück?

Sonja: The collaboration and exchange of two and then three people sharing a language of looking at things and coming from two different areas of Europe, two cities, which in very different way support and carry in itself a great production of art and culture and dialogue. I think the motivation was a desire for confrontation in many subtle and less subtle ways. Some of the influences were the film ?Thelma and Louise?, Egon Schiele, André Lepecki and Johanna Chemnitz.

Johanna: Francis Bacon und Matthew Barney gehören für mich als Einflüsse dazu. Ganz wichtig sind auch jene Fotos, die innerhalb unserer Proben mit Sophie Malmberg entstanden sind. Die Bildende Kunst in Form von Fotografie, Malerei und Skulptur hatte also einen sehr starken Einfluss auf unsere Arbeit. Für mich prägend und inspirierend war auch der Workshop mit Meg Stuart, an dem ich in diesem Sommer in Stolzenhagen teilgenommen habe. Und die Arbeit mit Sonja natürlich!

Wie war die Produktionssituation in Berlin?

Sonja: Helpful and intense.

Johanna: Wir hatten das Glück, in den neuen Räumen vom Dock 11 in Pankow zu proben: einem herrlichen, riesigen Altbauzimmer. Das tat der Arbeit gut. Schwierig waren allerdings die finanziellen Bedingungen. Wir haben uns jedoch dazu entschieden, das geringe Budget, das wir zur Verfügung hatten, für alle Mitwirkenden auszugeben. Denn das Arbeiten ohne Gage wollten wir auf jeden Fall vermeiden. Ich sehe es als eine Form von Respekt an, dass wir Künstler für unsere Arbeit bezahlt werden, um davon leben zu können.

Was bedeuten Tanz und Choreografie für euch?

Johanna: Tanz und Choreografie würde ich als eine große Liebe von mir bezeichnen. Und zu großen Lieben gehört viel Auseinandersetzung, Leidenschaft, auch viel Konflikt, viel Angst beizeiten und ganz viel Freude. Außerdem stellen Tanz und Choreografie eine, wie ich finde, einzigartige Form der Kommunikation dar. Und ich sehe es als einen langwierigen Prozess an.

Sonja: It is a call, a profession, a political attitude. I desire to work with physicality of dance, seeing what kind of text and dramaturgy it produces.

Was gefällt euch an der Berliner Tanzszene?

Sonja: I guess I like, that there is a lot of organized experiments with a political attitude.

Johanna: Ich mag es sehr, dass sie so vielfältig ist: Ich möchte die Menschen, die in ihr wirken und die Begegnungen mit ihnen nicht missen.

 

Kurzbios

Johanna Chemnitz studierte Modernen & Zeitgenössischen Tanz an der Tanzakademie Arnhem (NL) 2000-2004. Seit 2004 lebt sie in Berlin und arbeitete u.a. mit Eszter Gàl, Sasha Waltz & Guests, Alex B., Cie. Salon Sauvage, Maren Witte und Nir De Volff/TOTAL BRUTAL. Es entstanden und entstehen eigene Stücke, meist in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern aus Tanz und Bildender Kunst.

Sonja Pregrad stammt aus Kroatien. Sie studierte an der Rotterdamer Tanzakademie und SNDO und graduierte an der Tanzakademie Arnhem in 2005. Sie arbeitete u.a. mit Keren Levi, Willi Dorner, Irma Omerzo, Sanja Ivekovic, Scott Wells, Nita Little, Eszter Gal, Tony Thatcher und anderen. Sie kreiert eigene Arbeiten, kollaboriert regelmäßig mit verschiedenen Künstlern, unterrichtet, organisiert Workshops und Laboratorien in Zagreb und ist Mitbegründerin von ?Introspections?.

 

Aufführungen: 3.1.2010 und 4.1.2010 jeweils 20:30 Uhr im Festsaal

 

 

Veranstaltungstipp Tanz im August:

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Was kommt nach dem Tanz?
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