
Was ist Ihr Markenzeichen?
Meine Arbeiten sind sehr visuell und inhaltlich vielschichtig zugleich, ich suche immer die Grenzen auf zwischen den Disziplinen, die Orte wo Spannung bleibt, da noch nicht genau klar ist, wo man sich befindet. Ich untersuche die Grenze zwischen dem Apollinischen und dem Dionysischen, der Ratio und der Ekstase. Musikalität, subtiler Humor und der Mensch auf der Bühne sind mir sehr wichtig. Performance ist für mich ein geteiltes Ereignis zwischen Zuschauer und Performer.
Was zeichnet das Stück auf dem Festival aus?
Zum ersten Mal arbeite ich mit Sängern, dem Countertenor Maurits Musch und der Pop-Sängerin Monica Page zusammen. Es ist ebenfalls neu für mich, klassische Lieder von Henry Purcell auf die Bühne zu bringen. Ich habe mit der Idee des Barocken gearbeitet. Hier reiben sich die Gegensätze: das Exzessive steht dem Kalkül gegenüber, die Barockmusik wechselt sich mit zeitgenössischer elektronischer Musik ab. Wir dringen tief in das Klischee und in verschiedene Emotionen ein, um sehen zu können, ob eine Resonanz bei Performern und Zuschauern entsteht. Nichts wird relativiert, sondern verstärkt, um das, was darunter liegt zu berühren. Ich inszeniere menschliche Emotionen und zur gleichen Zeit das Reflektieren darüber.
Was sind Ihre Inspirationsquellen?
Das Leben, die Welt um mich, in der Welt zu sein, versuchen zu verstehen, wer ich bin und wer die anderen sind, in welchem Kontext wir uns bewegen und wie wir uns verhalten. Wie Sprache entstanden ist, die Wurzeln, die Herkunft unserer Art zu denken, zu formulieren und wie Realität entsteht durch Sprache oder Handlungen. Im Moment bin ich sehr beschäftigt mit der Geschichte des Theaters, für ?Lost is my quiet forever? im Besonderen mit Barocktheater.
Welche Rolle spielen andere Künste in Ihren Kreationen?
Ich habe eine große Affinität zur Bildenden Kunst, außerdem Musik, von Klassisch bis Elektro-Kitsch.
Welche Pläne haben Sie als Künstlerin?
Meine nächste Arbeit entsteht in Zusammenarbeit mit der Performerin Sanja Mitrovic und dem Komponisten Gary Shepherd. Es wird eine Solo-Performance auf Basis von Monologen der Theatergeschichte: intensive Texte von weiblichen tragischen Heldinnen, die wir zu Pop-Songs verarbeiten.
Kurzbiografie
Nach ihrem Kunststudium an der Kunstakademie Münster und in München studierte Nicole Beutler Tanz und Choreografie an der Theaterhochschule in Amsterdam, SNDO (Schule für neue Tanzentwicklung). Seit 1993 lebt und arbeitet sie dauerhaft in Amsterdam. Ihre Werke zeichnen sich dadurch aus, dass sie auf der Schwelle zwischen den Disziplinen Tanz, Performance und visuelle Künste stehen und dabei Musikalität und Humor verbinden. Der Darsteller als Mensch steht in ihren Kreationen im Vordergrund. Die gebürtige Münchnerin arbeitete mehrere Jahre unter anderem mit Paz Rojo sowie Jérôme Bel und ist Kuratorin für Tanz am Theater Frascati in Amsterdam. (MB)
Weitere Infos unter: www.associationlisa.com/nicole
"Lost is my quiet forever" / 25.8./21 h + 26.8./20 h / HAU 2