
Was ist Ihr Markenzeichen?
Sicher gibt es Dinge, die man an Stücken wiedererkennt, an denen ich arbeite. Das hat mit Ideen, Vorstellungen, Überzeugungen zu tun, aus denen sich eine spezielle Herangehensweise an den Körper ergibt.
Allerdings hat Markenzeichen mit Marke zu tun, mit schneller Wiedererkennbarkeit, mit Konsumdingen, die eine immer größere Rolle in der Gesellschaft spielen und damit auch in der Kunst, die sie hervorbringt. Solchen Mechanismen kann ich zwar nicht ganz entfliehen, aber ich versuche eine kritische Distanz zu behalten.
Was zeichnet das Stück auf dem Festival aus?
?WHAT COMES UP / MUST GO UP? ist eine Recherche über Begriffe wie Wachstum, Ausdehnung, Expansion. Was bedeuten sie für uns, wie beeinflussen sie unsere Körper?
Das Stück ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen Irina Müller, Nuno Lucas und mir. Kollaboration als Arbeitsweise ist zwar weder für uns, noch für viele andere etwas Neues, aber dennoch beeinflusst diese Art zu arbeiten das Stück. Wir führen es im Rahmen von ?looping 09? auf, einer europäischen Initiative für junge Choreografen, initiiert von Uzes Danse, der Tanzwerkstatt Berlin und Espaco do Tempo in Montemor o Novo, Portugal. Insofern befinden wir uns in einem speziellen Kontext, gemeinsam mit fünf anderen Arbeiten von jungen Choreografen aus unterschiedlichen Teilen Europas, die bei Tanz im August präsentiert werden.
Was sind Ihre Inspirationsquellen?
Menschen, Geschichten, Tiere, Bücher, im Zug sitzen und raus gucken, Zeitung lesen, Filme, Gespräche, Performances, Tanzflächen, Orte die aus der Zeit fallen, unordentliche Orte.
Welche Rolle spielen andere Künste in Ihren Kreationen?
Ich fühle mich dort wohl, wo die Übergänge zwischen Bildender Kunst, Darstellenden Künsten, Musik etc. fließend sind, wo nicht in Schubladen einsortiert wird und man sich gemeinsam zum Spielen treffen kann.
Welche Pläne haben Sie als Künstler?
Ich probiere, nicht zu viele zu haben. Es ist mir wichtig, an einem offenen und produktiven Umfeld mitzuarbeiten, Kommunikation herzustellen, aufmerksam zu sein.
Kurzbiografie
Hermann Heisig, gebürtiger Leipziger, machte 1997 mit dem Publikumspreis beim Wettbewerb "Das beste Tanzsolo" im Rahmen von euro scene Leipzig das erste Mal auf sich aufmerksam. Im Jahr 2000 zog der Quereinsteiger nach Berlin und studierte Tanz an der Etage. Er arbeitete u.a. mit Thomas Proksch, Diana Wesser, Marina Quesada, Anja Müller und Nir de Volff und als Mitbegründer des Kollektivs "Moderne Nerven". Im Jahr 2007 nahm Heisig an ex.e.r.ce 07 teil, einem Ausbildungsprogramm am CNN Montpellier unter der Leitung von Mathilde Monnier und Xavier Le Roy. (AJ)
"WHAT COMES UP MUST GO UP" (Hermann Heisig/ Nuno Lucas/ Irina Müller) im Rahmen von LOOPING 1 / 19.8. / 19 h / HALLE Tanzbühne Berlin