Welche Einstellungen gegenüber dem Tanz hat ROSI BERLIN?
Johanna: Tanz kann erst mal alles sein. Überraschend, vielseitig und polarisierend. Bei einem Festival interessiert uns, die unterschiedlichen Stile und Arbeitsweisen zusammenzuführen und einen runden Abend daraus zu machen, und das verfolgen wir mit Leidenschaft.
Christin: Tanz ist Transparenz und Klarheit, Gespür. Bisher bleibt er aber vielen oftmals unzugänglich. Tanz soll erzählen, soll mitnehmen, abholen, bewegen, verändern, aufbrechen, konfrontieren.
Was waren eure Beweggründe, ein weiteres Tanzfestival in Berlin zu organisieren?
Johanna: Ursprünglich ging es bei den ersten Überlegungen im Jahr 2008 ganz einfach darum, einen Abend zu gestalten, der genau unseren Vorstellungen entspricht. Unsere Unerfahrenheit und Naivität haben uns geholfen, einfach loszulegen.
Christin: Ich denke, das Wichtigste für uns war, dass wir die Tanzlandschaft mitgestalten wollten. Gleichzeitig wollten wir auch noch mehr jungen Choreografen einen Raum geben, um sich auszuprobieren, sich zu zeigen, Teil zu haben. Bedarf ist auf jeden Fall genug da, wie wir finden.
Was ist das Besondere an Tanzbad?
Christin: Tanzbad ist auf jeden Fall eigenwillig. Unkompliziert. Es ist daran interessiert, einen Dialog mit dem Publikum herzustellen. Der Wunsch der Künstler/innen soll es sein, etwas mitzuteilen.
Johanna: Wir wollen das Wochenende ganzheitlich gestalten, es den Künstler/innen, aber auch den Besucher/innen „ schön machen“, einen Abend schaffen, der ein Erlebnis ist, vom Einlass bis zur Party.
Tanzbad findet nun schon zum dritten Mal statt, wie würdet ihr die Entwicklung beschreiben?
Christin: Es wird immer größer. Ein bisschen erwachsener. Es wächst und gedeiht, bestimmte Linien kristallisieren sich heraus. Wir trauen uns noch mehr rauszugehen, zu rocken, loszulassen. Die Zuschauer kommen wieder. Eine Art Rosi Berlin & Friends Netzwerk entsteht. Das ist total schön.
Johanna: Die erste Ausgabe, die 2009 im Theaterforum Kreuzberg stattfand, war sofort sehr gut besucht. Viele Dinge waren improvisiert, die meisten Choreograf/innen waren jung und in den Anfängen ihres Schaffens. Das zweite Mal gastierten wir im Ballhaus Ost, wo wir auch dieses Jahr wieder sein werden und worüber wir sehr froh sind.
Was wünscht ihr euch zur dritten Ausgabe?
Johanna: Eine fruchtbare Zusammenarbeit mit den Künstlern und Mitwirkenden. Natürlich wollen wir wahrgenommen werden in der Berliner Tanzlandschaft. Es soll offen bleiben für alle.
Wie soll Tanzbad X aussehen?
Christin: Wachsen soll es vor allem. In alle erdenklichen Richtungen. Raum geben. Ein Erlebnis sein. Eine Vernetzung mit anderen Festivals und Kulturprojekten wäre großartig, auch Berlin übergreifend. Und es hat vielleicht irgendwann eine Schwester. Wie wäre es mit TRUDE HAMBURG? Ich finde, das klingt verdammt gut.
Johanna: Und ROSI rockt weiter, auch wenn sie erwachsener wird...!
(Interview: Cilgia Gadola, 7.10.2011)