Tanzpresse

Mimikry in Höchstform

Tanz im August: Les Ballets C de la B/ Alain Platel & Frank van Laecke mit "Gardenia" im Hau 1

Foto: Luk Monsaert

(

AJ

 20.08.10 )

Eine Versammlung von Anzugträgern empfängt das Publikum zu Beginn von Alain Platels neuer Produktion "Gardenia". Vanessa van Durme, ihres Zeichens transsexuelle Schauspielerin, stellt ihre in die Jahre gekommenen Mitstreiter aber nicht etwa als Herren, sondern als Damen vor. Sie heißen Shirley Nightingale oder Juanita de Buenos Aires und tragen noch derbere Beinamen, die auf ein reges Sexualleben schließen lassen. Der skurrile Aufmarsch ist als Auftakt der letzten Vorstellung des Travestie-Kabaretts "Gardenia" zu verstehen. Komplettiert wird das Clübchen durch eine Frau - "unser Engel" genannt - und einen jungen Mann, der auch als Jesus-Darsteller durchgehen könnte. Gerade noch schlurften alle altersmüde über den Parkettboden, doch dann setzt die Verwandlung ein. Es wird zu Ravels "Bolero" Schminke aufgelegt, Klunker umgehängt und in die große Abendgarderobe geschlüpft, mit jedem Flanieren in Richtung Publikum werden die Bewegungen fraulicher und aufreizender. Das Stück ist eine Ode an die Verwandlung, aber auch an die Lässigkeit des Alters, denn die Akteure verstecken die dicken Bäuche, Falten und grauen Haare nicht. Die Grandezza und Selbstsicherheit, mit der sie zu Werke gehen, holen sie aus ihrer eigenen Identität, sieben der neun Akteure sind immerhin selbst Transsexuelle oder Transvestiten. Aber es bestechen bei weitem nicht alle dramaturgischen Einfälle. Die Szene etwa, in der der junge Mann zu einem slawischen Lamento anhebt, ist allzu rührselig geraten. Am Ende steht das große Gruppenbild der Drag-Queens: Auch wenn hier ein Klischee von der Bühne grüßt, eins lässt sich auf jeden Fall sagen: Das Spiel dieses besonderen Ensembles berührt.

 

 

 

 




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