Tanzpresse

Für jeden etwas

Festival MADE IN POTSDAM: Shang-Chi Sun mit „Traverse“, Timo Draheim & Jörg Schiebe mit „Under Pressure“ und Gunilla Heilborn mit „This is not a love song“ in der fabrik Potsdam

Shang-Chi Sun in „Traverse“; Foto: Dr. Achim Plum

(

AJ

 18.01.12 )

„MADE IN POTSDAM“, unter diesem Namen lädt die fabrik Potsdam zu ihrem Festival für Tanz, Performance und Film ein. Es klingt nach einem selbstbewussten Markenzeichen und tatsächlich sind die Produktionen allesamt Ergebnisse eines „Artists-in-Residence“-Programms vor Ort. Was besonders ins Auge auffällt, ist die Bandbreite der Beiträge. Die fabrik Potsdam verfolge ein offenes Konzept, so der Pressesprecher Laurent Dubost, dadurch sei in den letzten Jahren ein internationales Netzwerk mit sehr unterschiedlichen Choreografen entstanden. Finanzielle Einschnitte hatte das Residenzprogramm jedoch auch hinzunehmen. Nachdem Ende 2010 die Förderung durch Tanzplan Deutschland ausgelaufen war, wird es nun vorrangig über Hauptstadtmittel gestemmt. Während 2010 noch 21 Residenzen vergeben werden konnten, kamen 2011 nur noch elf zustande. Dass Kultureinrichtungen darin versiert sind, mit schwindenden Mitteln die Qualität zu halten und so viel wie möglich abzudecken, lässt sich vielerorts beobachten. Auch bei dem dreigeteilten Potsdamer Festivalabend mit den Stücken „Traverse“, „Under Pressure“ und „This is not a love story“ stellt sich schnell der Eindruck ein, dass hier für jeden etwas geboten werden soll. Das Solo „Traverse“ des aus Taiwan stammenden Shang-Chi Sun sticht in tänzerischer Hinsicht sicherlich am meisten heraus. Mit enormer Präzision und Schnelligkeit zerschneidet Sun zur Musik von Ryoichi Ikeda mit seinen Armen den Raum, dann wieder lassen Tempiwechsel Phasen der Innerlichkeit erkennen. Der technoide Soundteppich und der puristische Einsatz das Tänzerkörpers erinnern stellenweise an die Stücke des Japaners Hiroaki Umeda. Sun, der schon in Produktionen von Sasha Waltz mittanzte, ist hier ohne Frage eine technisch brillante Arbeit gelungen. Timo Draheim steht in seinem Solo „Under Pressure“ im wahrsten Sinne des Wortes unter Druck. Auch mal im Handstand hüpfend sinniert er darüber, was ein moderner Mensch heute alles wissen und machen muss, um auf der Höhe der Zeit zu sein. Termin- und Leistungsdruck münzt er um in eine verdruckste Hyperaktivität und zieht so jede Menge Lacher auf seine Seite. In „This is not a love Story“ schließlich schickt die Regisseurin Gunilla Heilborn die zwei Tänzer Johan Thelander und Kristiina Viiala auf eine Art Road Movie. In ruhig melancholischem Ton reihen sie Filmzitate, philosophische Fragen und skurille Dialogfragmente aneinander. Der Tanz fällt hinter dem narrativen Teil ein wenig ab: Die beiläufig wirkenden, mit geringer Körperspannung ausgeführten Paarsequenzen passen zwar anfangs bestens zur versponnen ironischen Atmosphäre, werden im Laufe des Stückes jedoch allzu repetitiv. Dem Gesamteindruck tut das keinen Abbruch, da die Stärken des Stückes eher im subtil-unspektakulären Erzählen liegen. (Annett Jaensch)