Tanzpresse

Glückssucher

Helena Waldmann mit „GlückStück“ im RADIALSYSTEM V

Foto: Sebastian Bolesch

(

AJ

 20.12.11 )

Das Thema Glück in den Mittelpunkt eines Stückes zu stellen, steigert fast automatisch die Erwartungshaltung, handelt es sich doch um eine existenzielle Lebenszutat. Freudig-gespannt wirkt auch das Publikum im RADIALSYSTEM V, als es von einem festlich glitzernden Miniatur-Zirkuszelt und heiterer Hintergrundmusik empfangen wird. Einen Raum der augenzwinkernden Verheißung hat man hier errichtet, scheint die Botschaft zu sein. Als Erster steigt André Soares zu Richard Strauss´ Monumentalmusik „Also sprach Zarathustra“ von der Showtreppe, reckt die Arme nach oben und überzieht sein Gesicht mit einem Freudestrahlen. Tobias M. Draeger gesellt sich zu ihm und beide schieben und wippen zu Swingmusik über die Bühne. Moo Kim und Brit Rodemund machen schließlich die Mannschaft der Glückssucher komplett. Und schnell wird klar: Mit dem Glück ist es so eine Sache. Während die vier vorn Ausgelassenheit vorführen, erscheinen hinten auf dem Vorhang Kommentare wie „Das Glück kommt in zehn Minuten.“ oder „Der Tod tritt in zehn Minuten ein.“ Die Choreografin Helena Waldmann bezieht sich auf Adorno, der sagte, dass Glück sich erst am aufgehobenen Leid entfalte. Wer nie unglücklich ist, kann auch kein Glück empfinden. Und so geben die Performer die gutgelaunten Spielbälle, die zwischen den beiden Polen hin- und herfliegen. Mal springen sie in grotesker Synchronie in den Spagat, mal lösen sie sich zu furiosen Soli heraus, wie Moo Kim, der sich zu „A little less conversation“ von Elvis Presley die Seele aus dem Leib tanzt. Grimassieren, irres Lachen und wild zuckende Körperteile stehen wohl für den normalen Wahnsinn, den man Leben nennt. Das Bühnenbild ist bei dieser Glücksschau Vorteil und Beschränkung zugleich: Eine Manege lässt sich immer auch zu einem surrealen Panoptikum stilisieren, zu einem Ort, an dem Zuspitzungen aller Art erlaubt sind. Leider führt der zirzensische Kontext auch dazu, dass das Stück stellenweise wie eine Nummernrevue daherkommt. Doch die Akteure sind hervorragende Darsteller, die das Ganze bis zum Ende tragen. Glücklicherweise! (Annett Jaensch)