„To pigeonhole someone“ heißt so viel wie jemanden in eine Schublade stecken. Katharina Maschenka Horn macht in ihrem Solo ebenfalls verschiedene Schubladen auf - eine bunte, humorvolle und schnelle Mischung zwischen Tanztheater, musicalhaften Episoden und zeitgenössischen Bodenphrasen, die ebenfalls rasant aber stärker nach innen gerichtet erscheinen. Ein wildes Zappen durch die Tanz- und Musikstile, Kleidungs- und Gefühlslagen – von ironisch grotesk, erotisch gogoesk bis hin zu einer 20er Jahre Gesangsdarbietung. Was überzeugt, ist die Präsenz Katharina Maschenka Horns, die mit ihrer Ausdrucksstärke jede Episode interessant macht, und so die mitunter fehlende Kohärenz zwischen ihren verschiedenen „Schubladen“ verwischt. Sie besticht mit ihrer Tanztechnik, die sie nicht versucht zu verstecken, obwohl sie sich in einem Performance-Format mit viel Affinität zum Konzepttanz bewegt, das so typisch für Berlin ist, wo die Sparte Tanz-Tanz sich rar macht. Eine energiereiche, erfrischende Abwechslung im Konzept der Tanztage. In „Fire and Forget“ von Verena Wilhelm wiederum stehen sich Begleittext und Performance gegenüber - ohne körperlich visuell eine Relation dessen zu vermitteln. Wilhelm tanzt zu Soundfragmenten eines von WikiLeaks veröffentlichten Videos, das die Kommentare von US-Soldaten enthält, mitgeschnitten von der Bordkamera des Helikopters bei einem Luftangriff über Bagdad im Juli 2007. Wenn Kriege heute ohne körperliche Präsenz geführt werden, wie zu lesen ist, welche Rolle spielt dann der Körper Verena Wilhelms auf der Bühne? Ist es ein Verstecken hinter einer nüchternen klassischen Technik? Kalte leere Präsenz, die durch die in Nebel getauchte Bühne schneidet; Linien, die von Armen und Beinen in den Nebel gezeichnet werden, hier ein Developé, da ein hohes gehaltenes Battement. Marionette oder Roboter? Hier bereichert die Technik das Konzept so wenig, wie der politische Aspekt sichtbar wird. (Juliane Wieland)