Am Anfang denkt man, so was hat man doch schon öfter mal gesehen: das schubweise Aufeinanderlosgehen der beiden Performer, ihre aggressiv-unbeholfenen Umarmungen, ihr Ringen unter Einsatz zielloser Gewalt, die dann aber auch wieder aufgelöst wird in flüchtiger fürsorglicher, ja zärtlicher Gestik: zwei, die sich lieben wollen, die Kontakt suchen, aber irgendwie nicht können. Dabei bleiben sie seltsam unbeteiligt, so, als wären sie zwei Kontinente, die aufgrund der Plattentektonik unweigerlich immer wieder ineinander rumpeln, aneinander entlangschrammen. So weit, so gut. Richtig interessant wird es jedoch dann, wenn der Einsatz relativ einfacher Mittel der Videoinstallation die Wahrnehmung des Publikums verändert, das Auge schärft für Details, die dem direkten und unverstellten Blick auf das Bühnengeschehen entgehen würden. Die Aktion wird nun eher von Videokünstler Vladimir Miller gesteuert, während die Gesten des performenden Paares wie mittendrin angehalten oder wie die unwillkürlichen Bewegungen Schlafender wirken; manchmal entsteht durch den geschickten Einsatz der Projektionselemente auch der Eindruck einer träumerischen Entrückung. Schließlich stellt sich bei den inzwischen angeschmiegt beieinander Liegenden so etwas wie Harmonie ein, die wiederum von Miller auf der Leinwand seziert wird. Unter Einbeziehung von Musik und Geräuschkulisse ergibt sich in “The Fault Lines” ein sehr interessantes Wechselspiel zwischen der “realen” Tanzperformance und ihrer Video-Spiegelung.