Auffallend akademisch präsentiert sich Xavier Le Roy auch in seiner Fortsetzung von „Product of Circumstances“ (1999): In einer weiteren lecture performance beschreibt und dokumentiert er seine Auseinandersetzungen mit der Butoh-Tanztechnik. Mit Boris Charmatz, einem befreundeten Choreografen, hatte er einst gewitzelt, die ihm vollkommen fremde japanische Tanztechnik innerhalb von zwei Stunden erlernen zu können. Dass auch die Performancelänge dies wörtlich nehmen würde, verschweigt Le Roy nicht und erzählt sogleich detailreich in der ihm eigenen ruhigen, fast lässigen Art von seinen Butoh-Seherfahrungen, erinnert sich an Gespräche und Proben. Zwischendurch verdeutlicht er seinen Rechercheprozess mit Youtube-Videos und eigenen Tanzeinlagen. Tänze, die einerseits Gesehenes rekonstruieren und andererseits grundlegende Erkenntnisse wie das Zum-Baum-werden umsetzen. Le Roy gelingt es hier – auch ohne Butoh-typisches weißes Body-Makeup – allein durch die körperliche Bewegung und den Einsatz des Atems eine zwiespältige Stimmung zu erzeugen. Der zuweilen befremdlich wirkende Zustand des schlaksigen Tänzers, der immer wieder ins Animalische kippt, überträgt sich auf das angespannt verharrende Publikum. Verkrampfte Bewegungen und Gesichtsmuskeln zu abwechselnd kreischenden Geräuschen und Klaviermelodien in Moll sind faszinierend und unheimlich zugleich; erscheinen wie der Tanz der Untoten – zermürbend, langatmig, fesselnd.