Tanzpresse

Gleich und anders

cie. toula limnaios/ Jant-Bi mit "à contre corps" in der HALLE TANZBÜHNE BERLIN

Foto: Dieter Hartwig

(

AJ

 27.06.10 )

Die Choreografin Toula Limnaios taucht mit Vorliebe in die Untiefen existentieller Fragen ab, oftmals inspiriert von literarischen Vorlagen wie etwa von Beckett oder Dostojewski. Die neue Produktion "à contre corps" kommt ohne einen solchen Überbau aus, sie wirft vielmehr die kulturelle Identität der zehn Tänzer selbst in die Waagschale. Neben der Stammbesetzung sind auch vier Mitglieder des senegalesischen Ensembles Jant-Bi mit von der Partie. Symbolhafte Bilder zu Beginn - ein rangelndes, afrikanisch-japanisches Männerpaar schiebt sich schnaubend durch den Raum, während eine Frau kopfüber von der Decke hängend gleichsam als Pendel von zwei Männern hin- und hergestoßen wird - spiegeln das Thema Begegnung im Zeichen der Andersartigkeit. Spannend ist das Aufeinandertreffen von unterschiedlichen Tanzstilen. So deuten Kayoko Minami und Ramatoulaye Sarr nebeneinander einen traditionellen japanischen Tanz an, dabei zeigt sich die Akkuratesse der Japanerin, die Afrikanerin hingegen interpretiert die Bewegungen auf ihre eigene, der Polyrhythmik folgenden Art. Beim Ausloten des Vertrauten und des Fremden werden auch kulturelle Codes ins Spiel gebraucht, mal in lustig-befremdlicher Form, etwa wenn Hironori Sugata mit Ess-Stäbchen an Maguette Ndione herumzupft, mal in Tabu streifenden Handlungen, wenn schwarze schweißnasse Haut mit Brot getrocknet wird. Am Ende steht ein Duett von Ute Plistermann und Elhadji Ibrahima Ndoye Ndiaye, sie mit geschwärzten Gliedern, er mit geweißten. Die Farben vermengen sich im innigen Körperkontakt, bis beider Hautfarbe nicht mehr zu unterscheiden ist: aus anders wird gleich.

 

 

 

Weitere Vorstellungen: 2./ 3. Juli 2010 Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt/M

 




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