Das erste der beiden Stücke beginnt von oben: Im Gegenlicht lassen sich die Tänzer an herabhängenden Metallstangen langsam auf die Bühne herunter. Diese hier angedeutete Leichtig- und Schwerelosigkeit zieht sich durch die gesamte Darbietung, die Bewegungen durchfließen gleichsam die durchtrainierten Körper der Tänzer, die sich in Soli, Duetten oder in voller Besetzung (20!) von den Rhythmen der Bach-Variationen von Marco Antonio Guimarâes tragen lassen. Choreograph Rodrigo Pederneiras malt mit ihnen wunderschöne bewegte Bilder, die, wegen des bevorzugt eingesetzten Seitenprofils, gelegentlich an ägyptische Reliefszenen denken lassen. Zusammen mit viel Abwechslung bei Kostüm, Beleuchtung und Geschwindigkeit - oft sind auch unterschiedliche Tempi gleichzeitig auf der Bühne zu sehen - entsteht ein Schauspiel, in dem man sich fühlt wie in einem Perpetuum Mobile. “Parabelo” hat mehr Bodenhaftung, baut sich von unten her auf, die Körper der Performer oszillieren zunächst knapp über der Bühne wie frisch geschlüpfte Fantasiegeschöpfe, die sich ihre neue Umgebung ertasten. Brasilianische Musik lässt sie dann zum vollen Leben erwachen und führt sie anhand harlekinisch, poetisch, expressionistisch und sensuel anmutender Einlagen durch die gesamte Bandbreite der bunten Existenz auf Erden. Die tropische Ausgelassenheit ist mitreißend, technisch sind die Tänzer perfekt, die Bühnenästhetik ist bestechend; bleibt ein, wenn auch kleines, schwer fassbares Aber: vielleicht der Wunsch nach ein bisschen mehr Biss und stärkerer emotionaler Ansprache.
Was kommt nach dem Tanz?
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