30 Artikel umfasst die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Die wollen erst mal geschrieben sein. Bei “Human writes” mühen sich auf sechs mal sieben Tischen, die den ganzen Saal füllen, über 30 Performer unter Überwindung aller möglichen Einschränkungen und unter Einsatz verschiedenster Methoden damit ab, die entsprechenden Textpassagen in einer ganzen Reihe von Sprachen schwarz auf weiss zu bringen: mit geschlossenen Augen, mit der Zeichenkohle zwischen den Zehen, im Mund, in der Armbeuge, manchmal auch mittels weniger offensichtlicher Techniken, die erst durch Nachfragen seitens des Publikums nach und nach klarer werden. Man bewegt sich durch den Raum, schaut erst hier und da nur zu, teils fasziniert, teils befremdet, um dann selbst Hand bzw. Kopf mit anzulegen, wobei sich die Trennlinie zwischen Zuschauern und Akteuren immer mehr verwischt. Es wird gespielt und improvisiert. Grüppchen bilden sich und lösen sich wieder auf. Es gibt Aktionspole und Inseln der Ruhe, die eine spontane Choreografie der Masse entstehen lassen in dieser riesigen Kalligrafiewerkstatt am Tag der Offenen Tür, während auf einer anderen Ebene die einzelnen Tische als Minibühnen für die individuellen Schreibchoreografien fungieren. Nach den etwas über zwei Stunden der Installationsperformance “Human writes” hat man auf unterhaltsame und spielerische Weise ein Bewusstsein nicht nur für das komplexe Thema Menschenrechte entwickelt, sondern auch dafür, wie vielschichtig und voller Eigendynamik, aber gleichzeitig hoch spannend Prozesse der menschlichen Kooperation sind.