Jeremy Wade bewegt die Menschen: allerdings erst einmal nur von der einen Wand zur anderen im Foyer des HAU 2. Mit Mikrofonansagen animiert er das Publikum mit erhobenen, wackelnden Händen zu einer kollektiven Mitmach-Performance, die darin besteht, auf dem Boden übereinanderliegend zusammenzukommen. Dieses gemeinsame Warm-up soll die Partizipation des Publikums vorbereiten auf das im Anschluss folgende Stück. Doch vorbereiten worauf? Was den Zuschauern geboten wird, ist das Beiwohnen der Wade-typischen Anti-Ästhetik. Jener pathologisch anmutenden Bewegungssprache, die die Funktionstüchtigkeit des Körpers infrage stellt. Der amerikanische Choreograf hatte eine sechsmonatige Recherchephase unter dem Motto „identity and transgression” eingelegt, in der er Visionen zum tanzbewegten Körper auslotete. Im Jahr 2011 ist das Ergebnis jedoch weder neu noch originell. Zumal schon Wades´ frühere Stücke die gleiche pseudo-anti-normierte Ästhetik aufwiesen. Der Variantenreichtum in „Fountain/ To the mountain“ ist limitiert auf eine dekonstruierte an Yoga erinnernde Nach-unten-schauender-Hund-Komposition, bestehend aus drei Performern, die sich zu einem unkoordiniert am Boden bewegenden Menschenknäuel entwickeln, das stetig die Verknäuelung sucht und dabei geräuschvoll von einer in die nächste Position fällt. Mit seltsam nach innen gerichteten Fäusten, stets schief gehaltenem Kopf und extrem nach innen oder außen gedrehten Füßen versuchen die Performer maximal umständliche Arten der Fortbewegung zu finden, begleitet von dem kontinuierlichen Versuch Linien zu brechen und den trainierten Körper zu verbergen. Sie hängen und klammern aneinander und stolpern orientierungslos über die Bühne, die von allen vier Seiten von Zuschauern eingerahmt ist und scheinen die Bewegungserforschung nur für sich selbst zu leisten. Von der anfänglich vorbereiteten Partizipation des Publikums ist nichts mehr zu spüren. Man hat das Gefühl ungebetener Gast bei einem Selbsterfahrungstrip zu sein. (Juliane Wieland)