Matschiger, plattgestampfter Lehmboden auf einer Plastikplane dient Hyoung-Min Kim und Tommi Zeuggin als Performance-Untergrund. Hektisch im Kreis rennend, bearbeiten die Süd-Koreanerin und der Schweizer den Boden immer weiter. Schwer atmend schauen sich die Tänzer immer wieder um, rennen los, als wären sie auf der Flucht. Dazu spielt, die Szene dramatisierend, im Hintergrund eine melancholische Melodie. Derartige Gegensätze zwischen rasend-panischen, beinahe manischen Bewegungen und tiefem, einsamen Frieden durchziehen das Stück. Der Zuschauer bekommt, so er will, Momente des alltäglichen Lebens im Flüchtlingslager präsentiert: Hoffnungsvolle Radioempfangsversuche und panikerzeugende Bombenangriffe werden durch Essen, Wäsche waschen und wenig erholsames Schlafen ergänzt. Ganz ohne moralisch-appellierenden Zeigefinger kommt das Stück allerdings nicht aus: Der Verweis auf die Tragik heutiger Flüchtlingslager gerät im Verlauf des Stückes allzu häufig plakativ, mimetisch und anklagend. Verfehlen kann man somit zwar die scheinbar mahnende Intention nicht, wie ästhetisch die Umsetzung des Themas tatsächlich herüberkommt, ist allerdings Ansichtssache.